Auf ins Baltikum – nach Litauen

Bevor wir die Grenze zu Litauen passieren, besuchen wir noch das Eisenbahnviadukt bei Stancyki. Zwei fast 40 m hohe Bogenbrücken aus Granit spannen sich imposant über ein kleines Flusstal. Im ersten Weltkrieg gab es eine Zugverbindung von West- über Ostpreußen über Litauen. Die Linie wurde bald demontiert, da das Material für die Wolfsschanze benötigt wurde.

Grenzstein am Dreiländereck: Hier treffen sich Polen, Lettland und Russland. Man darf aber nicht den Grenzstein umrunden und somit drei Länder in ein paar Sekunden zu besuchen. Den russischen Boden zu betreten ist streng verboten und wird mit Kameras überwacht.

Grenzübergang Polen-Litauen

Bei Varteliai, einem kleinen unscheinbaren Grenzübergang, reisen wir in Litauen ein. Keine Kontrolle, kein “GREEN PASS“ alles stressfrei.

Entlang der Grenze zu Kaliningrad fahren wir hoch bis Vilkaviskis. Doch gleich eine negative Überraschung. Mein Handy hat sich ins russische Netz eingeloggt, 2,95 Mb Datenvolumen 60 Euro „Danke an BOB“

Ein Traumhaftes Plätzchen an einem See in Vilkaviskis, umgeben von Wasservögeln, rauschendem Schilf erleben wir einen wunderschönen Sonnenuntergang. Die 1. Nacht in Litauen war sehr romantisch und lies mich die Panne mit dem Handy gleich vergessen.

Unsere Reise führt uns weiter an die Ufer der Memel bei Jurbarkas zum sehr schönen und gemütlichen Stellplatz in Pilis. Wir bleiben da gleich mal für 3 Nächte. Fahren mit den Rädern zum Schloss Panemune, Gerhard probiert es mit  Fischen in der Memel und ich backe mein 1. Brot im „Omnistar“!!! Meine Bewertung, (Gerhard) super gelungen schmeckt lecker. “Wie die deutschen so sagen“

Auf zur Kurischen Nehrung

Sie ist ein wahrhaftiges Wunder zwischen 2 Gewässern, geschaffen von Sand, Wind und Menschen. Sie gehört zum UNESCO – Weltkultur- und Weltnaturerbe. Hier erstreckt sich über 98 km (52km gehören zu Litauen, der Rest zu Russland) das großartige Panorama der Dünenlandschaft. Gefährliche Wanderdünen, die einst Dörfer unter sich begruben, sind nun zu friedlichen, im 19. Jh. wieder aufgeforsteten, bewaldeten Hügeln geworden. Die Ortschaften mit den romantischen Fischerhäusern passen sich harmonisch in die Landschaft ein.

Fischerdorf am Kurischen Haff

Wir beschließen, nach längerem herumsuchen, in Dreverna, am Stellplatz des Museums unser Lager aufzuschlagen. Der Platz liegt mitten im Ort, ca. 150 m vom Hafen entfern. Er gehört uns für 3 Nächte ganz alleine!!!

Am 2. Tag setzen wir mit der Fähre und unseren Rädern über das Haff nach Juodkrante.  Wir Radeln 72 km auf der Landzunge „Neringa“ (die Riesin), besuchen die Fischerorte Pervalka, Preila und das Künstlerdorf Nida mit der gewaltigen Parnidder Düne – aus der Vogelperspektive – mit bis zu 6o m Höhe.

Kurische Nehrung

In einem gemütlichen Fischrestaurant lassen wir uns das Mittagessen schmecken. Danach ging`s wieder zurück, durch schattige Pinienwälder entlang der windigen Ostseeküste zur Fähre nach Juodkrante.

Stürmische Ostseeküste

Ein kurzer Abstecher zum Ornithologischen Zentrum in Vente. In riesigen Netzen werden im Frühjahr und im Herbst, wenn die Vogelschwärme durchziehen, einzelne Vögel zu Forschungszwecken beringt.

Weiter entlang der Küste, vorbei an Klaipeda fahren wir in den Nationalpark Zemaitijos. Zwischen sanften Hügeln verstecken sich 26 Seen, der größte davon ist der Plateliu ezeras an dem wir auf einer großen Wiese mit Blick zum See bleiben. Es ist Freitag, und man merkt, dass ziemlich viel los sein wird. Am Abend gab es dann die ersten Lagerfeuer und Musikeinlagen!

Samstagvormittag starten wir unsere Räder und wollen eine Runde um den See radeln. Auf halber Strecke gibt es das Museum der Raketenbasis „Saltojo karo muziejus“. Im Wald von Ploksciai waren während des kalten Krieges gut versteckt vier abschussbereite Atomraketen auf Ziele in Westeuropa gerichtet. Im Rahmen der Abrüstungsverträge wurden diese 1974 abgebaut und 2012 wurde die Raketenbasis zu einem Museum über den kalten Krieg. Bei der Besichtigung, bei der man unterirdisch die Anlage hautnah erleben kann, erlebt man ein gruseliges Gefühl und Gänsehaut pur!

Und wen man dann den „ROTEN KNOPF“ drückt dann sieht Europa so aus.

Zurück beim Auto ergreifen wir die Flucht. Kaum noch ein Parkplatz frei, Menschenmasse überall. Wir packen und fahren los Richtung „Berg der Kreuze“. bei Siauliai.

Der Berg der Kreuze: Ein frommer Ort des Wiederstandes

Während der Aufstände der litauischen Bevölkerung gegen die russischen Besatzer im 19. Jh. begann man auf dem Berg auch Kreuze für gefallene Angehörige zu errichten, deren Gräber man nicht kannte. Im Jahr 1900 sollen auf dem Berg etwa 400 Kreuze gestanden haben. Den russischen Besatzern war dies ein Dorn im Auge und die rückten mit Bulldozern an. Schon in der Nacht darauf standen neue Kreuze am Hügel. Dies wiederholte sich einige Male. Vergeblich. Der Berg der Kreuze wuchs erneut und wurde endgültig zu einem Symbol des Wiederstandes gegen die sowjetischen Besatzer.

Der Platz ist heute ein heiliger Ort für Katholiken, aber auch eine Sehenswürdigkeit für weniger fromme Reisende. Fast jeder Besucher bringt ein Kreuz für einen bestimmten Anlass mit. Anfang der 90er Jahre versuchte eine Gruppe von Studenten die Kreuze zu zählen. Bei 50.000 gaben sie ermüdet auf.

Wir konnten diesen Ort, bei tollem Licht im Sonnenuntergang und einer Art Kreuzwegandacht einer Gruppe gläubiger Menschen erleben.

Beim Museum Lazdynu Peledos

Ein sehr abgelegener Ort zum Entspannen. Das Haus war ein ehemaliges Gut mit Parkanlage, dass von dem Maler Ivanauskas und seinen literarisch begabten Töchtern Ende des 19.Jh. bis zum 2. Weltkrieg bewohnt wurde. Die Töchter wurden durch Romane und Geschichten aus dem Leben der Litauer bekannt. Zu sowjetischer Zeit war es verboten darüber zu schreiben. Sie schafften es aber unter dem Deckmantel eines Synonyms „die Eule im Haselnussstrauch“. Man findet die Eule immer wieder am Anwesen. In dem kleinen Museum erlebt man Hautnah ihre Geschichte und die der Menschen in der Umgebung. Die Parkanlage mit ihren alten Lindenbäumen könnte noch mehr Geschichten über die Litauer erzählen, jetzt dient er zur Erholung und Inspiration für Malkurse.

Nach 2 Tagen verlassen wir diesen verträumten Ort und fahren über die Grenz nach Lettland.

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